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Die
Bevölkerungszahl der Stadt St. Ingbert war im 19.
Jahrhundert stark gestiegen. Im Jahre 1880 betrug die Zahl
der Katholiken etwa 8.000. Nur eine Pfarrei bestand damals
in St. Ingbert, die Pfarrei St. Engelbert. Für eine so große
Zahl von Gläubigen war natürlich die
Engelbertskirche
inzwischen längst zu klein geworden, und man musste sich zum
Bau einer neuen Kirche entscheiden. 1878 wurde ein
Kirchenbauverein gegründet. Von Anfang an standen sich zwei
Auffassungen entgegen. Die einen wollten eine neue Kirche,
die anderen wollten die damalige Engelbertskirche umbauen
oder sogar abreißen um einer neuen Kirche Platz zu schaffen.
Der damalige Stadtpfarrer Dengel war immer ein strikter
Gegner einer zweiten Kirche. Der Kirchenbauverein konnte
sich anfänglich nur heimlich treffen um tätig zu sein. |
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Die erste
Schwierigkeit bot nun die Platzfrage. Drei Bauplätze kamen
in Betracht: ein Bauplatz hinter der alten Kirche, ein
Bauplatz "Auf dem Hobels" und ein dritter auf der vorderen
Hobelsahnung an der Kaiserstraße. Aber wie sollten die
Mittel für den Bau der neuen Kirche aufgebracht werden?
Deshalb wandte sich die Kirchenverwaltung im Jahre 1880 in
einer Eingabe an die königliche Regierung der Pfalz, mit dem
Ersuchen, die Bewilligung |
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einer
Prämienlotterie mit zwei Ziehungen zu Gunsten des
Kirchenbauvereins bei dem Staatsministerium befürworten,
bzw. erwirken wollten. |
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Auf die
Antwort musste man lange warten. Erst am 16. Januar 1882
forderte eine Regierungsentschließung zunächst die
Feststellung der Baukosten sowie die Vorlage der Detailpläne
und des Kostenaufschlages für die neue Kirche. Am 13. April
des Jahres beauftragte der Ausschuss des Kirchenbauvereins
unter Zuziehung der Kirchenverwaltung den Architekten
Schöberl, Speyer, noch ehe die Bauplatzfrage entschieden
war, mit dem Entwurf eines Planes. Die neue Kirche sollte
Platz für etwa 3.500 Menschen bieten. |
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Nun musste die
Bauplatzfrage geregelt werden. Zunächst sprach sich eine
Kommission, der auch Pfarrer Dengel angehörte, mit aller
Entschiedenheit für den Platz hinter der alten Kirche aus.
Dem stimmte aber die königliche Regierung nicht zu. Nach
langen Überlegungen entschied man sich dann für den Bauplatz
auf der vorderen Hobelsahnung. Grund dafür war die freie,
hohe, von drei Seiten zugänglichen Lage, in nächster Nähe
der Kaiserstraße. Auch der Kirchenbauverein, sowie die
Kirchenverwaltung konnten sich diesen Vorzügen nicht mehr
verschließen, so dass die Erwerbung des Platzes beschlossen
wurde. |
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Der am 21.
Juni 1883 eingereichte Plan von Architekt Schöberl wurde von
der Regierung abgelehnt, da die Summe für den Kirchenbau von
350.000 Mark zu teuer war. |
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Am 1. Oktober
1888 verstarb Pfarrer Dengel, sein Nachfolger, Pfarrer Jakob
Zimmer, setzte sich mit ganzer Kraft für den Kirchenneubau
ein. 1889 wurde dann der Bauplatz gekauft, die
Kirchenverwaltung setzte sich mit Architekt Ludwig Becker,
Mainz, in Verbindung, wegen der Herstellung eines
"entsprechenden stilgerechten" Planes. |
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Der Plan des
Architekten Becker war wesentlich einfacher und daher auch
wesentlich billiger als die des Architekten Schöberl.
Deshalb entschied man sich für den Plan von Ludwig Becker. |
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Die
Beschreibung der Grundsteinlegung in der
Festschrift von
1893 gibt einen guten Einblick in die Mentalität der
damaligen Zeit. |
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Am
Morgen des Sonntags, der 28. September 1890, um 9
Uhr, setzte sich ein imposanter, vergleichbar der
Fronleichnams-prozession, in Bewegung. Unter
Voraustragung des Kreuzes marschierte, an der Spitze
die Vereine und die Kapelle des Jünglingsvereins,
die Bevölkerung mit bunten Fahnen von der alten
Kirche aus die Kaiserstraße hinaus. An dem Zug
nahmen weiter teil: der katholische Gesellenverein,
die Geistlichkeit, der Fabrik- und und Stadtrat, die
Beamten, der Architekt, der Bauführer und der
Bauunternehmer, das katholische Kasino, die
bayrischen und preußischen Bergleute, die Arbeiter
des Hüttenwerkes, beide mit ihren Kapellen. Der
Bauplatz, auf dem die am Bau beschäftigten Arbeiter
in festlicher Kleidung schon versammelt waren, war
auf das prächtigste geschmückt. Am Eingang war eine
Triumphpforte aus grünen Tannen errichtet, mit
lateinischen Sprüchen, Fähnchen und Girlanden. An
der Stelle, wo der Hochaltar der neuen Kirche seinen
Platz finden sollte, ragte ein mächtiges mit Kränzen
umwundenes Kreuz in die Lüfte. |
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Der im
südwestlichen Eckpfeiler des Chores gelegene Grundstein, wie
der ganze Bauplatz war reich geschmückt. Der weite Platz war
über und über mit Menschen bedeckt. Man schätzte die Zahl
der Anwesenden auf über 10.000. |
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Dekan Eugen
Huth aus Zweibrücken nahm als Vertreter des Bischofs von
Speyer die Zeremonien der Grundsteinlegung vor. Die Gebete
und die liturgische Weihe des Steines machten auf alle
Anwesenden ein tiefgehenden Eindruck. Nach der Einsegnung
des Grundsteines verlas Architekt Becker die in den
Grundstein einzulegende Urkunde die in lateinischer Sprache
abgefasst war. |
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Anschließend
verlas Stadtpfarrer Zimmer eine kurze Geschichte des
Kirchbaues. Das Dokument wurde in einer verzinnten
Blechbüchse in den Grundstein eingelegt, sowie die
Grundsteinurkunde, eine Nachbildung des in Rom aufbewahrten
Nagels vom Kreuz Christi, geweihte Erde aus Jerusalem aus
den Katakomben Roms. Außerdem wurde eine Anzahl der
gangbaren Münzen, sowie eine Nummer der "Saarbrücker
Zeitung" und der "Pfälzer Zeitung" beigefügt. |
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Sodann wurde
die obere Hälfte des Grundsteines herabgelassen, und der
Grundstein fügte sich so zu einem Ganzen. |
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Hierauf
bestieg Dekan Huth die Kanzel zur Festpredigt. Nach der
Predigt zelebrierte Stadtpfarrer Zimmer unter Assistenz der
Kapläne Mohr und Schneider auf dem schön hergerichteten
Altar ein feierliches Hochamt. |
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Am Abend fand
das Fest im Grewenig'schen Saal mit einer Reunion seinen
Abschluss. |
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Bis
zum Ende des zweiten Baujahres 1891 wurde der Turm
und der gesamte Langbau bis zur Oberkante des
Dachsimses gebracht. Im dritten Baujahr, im Jahre
1892, wurde der Rohbau fertig gestellt und schon mit
den Innenarbeiten begonnen. Bis zum Tage der
Einweihung, am 13. Mai 1893, waren die Innenarbeiten
im wesentlichen abgeschlossen. |
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Viele
St. Ingberter Katholiken beteiligten sich freiwillig
beim Kirchenbau als Handlanger. Von Privatpersonen
und Firmen gingen beträchtliche Spenden ein. |
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Am 13.
Mai 1893 wurde die neue Kirche St. Josef durch den
Bischof von Speyer, Josef Georg von Ehrler,
eingeweiht. |
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Der 12., 13.
und 14. Mai 1893 waren Festtage für die Stadt St. Ingbert.
Bereits in den frühen Morgenstunden waren fleißige Hände
unterwegs, Häuser und Straßen zu schmücken. In den
Nachmittagsstunden war kein Haus mehr, das nicht irgendeinen
Schmuck aufwies. Die Straßen glichen einem Wald aus Fahnen
in bayrischen, deutschen und päpstlichen Farben. |
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Am Abend wurde
der Bischof in einem großen Festzug abgeholt und zum
Pfarrhaus geleitet. |
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Am Morgen des
Weihetages spielte die Bergkapelle schon um 6 Uhr zum ersten
Mal von der Galerie des Turmes herab. Von 7 bis 10 Uhr
erstreckte sich die Weihehandlung, anschließend das
feierliche Pontifikalamt. |
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So groß und
geräumig die neue Kirche auch war, sie war gefüllt. Auf den
Straßen, in den Wirtshäusern herrschte buntes Treiben. |
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Gegen Abend
rüstete man zum Fackelzug. Die Dunkelheit brach herein, die
Fackeln brannten, Lampions leuchteten, Musik ertönte und der
Zug setzte sich in Bewegung nach dem Pfarrhaus zu, wo
Bischof Ehrler Wohnung genommen hatte. Die Bergkapelle trug
Musikstücke vor, Bürgermeister Heinrich hielt eine
Ansprache, danach Bischof Ehrler, der Cäcilienchor stimmte
Festgesänge an und mit Musikstücken der Bergkapelle endete
der Fackelzug in der Grewenig'schen Wirtschaft, wo die
Festlichkeiten ihren Abschluss fanden. |
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"Möge
die katholische Gemeinde ungeteilt sich des nunmehr dem
heiligen Dienste geweihten Gotteshauses freuen und sich
sagen, dass durch dessen Errichtung auf dem hochgelegenen
Platze allein der Bestand unseres ehrwürdigen alten
Kirchleins gesichert wurde. Im andern Falle wäre von diesem
heute nichts mehr zu sehen und es könnte ein anderer
Lieblingswunsch unserer Bevölkerung nicht in Erfüllung
gehen. Darein seid alle froh, sagen zu können: |
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"St.
Ingbert besitzt jetzt zwei katholische Kirchen." |
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St. Ingberter
Zeitung, 15.5.1893 |
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