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Wenn man das Gotteshaus von der Fußgängerzone her betritt, hat man sich auf ein Stück historischer Straße befunden, der Kaiserstraße. Jedoch nicht nur die Kaiserstraße, die von Napoleon als Teil der großen Heerstraße von Paris bis Mainz gebaut wurde, sondern auch St. Engelbert kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.

 
  Geschichtlicher Rückblick  
 

Im Jahre 1264 wurde St. Ingbert zum ersten Mal als Pfarrei erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die frühere kleine Pfarrkirche, die sich vermutlich beim Alten Friedhof in St. Ingbert befand, zerstört. 1661 kam St. Ingbert unter die Herrschaft der Grafen von der Leyen, die zu den Bauherren der neuen und größeren Kirche St. Engelbert wurden. Unter dem Architekten, Baumeister und Künstler Friedrich Joachim Stegel, der bereits klassizistische und Empireformen in den stattlichen Bau im einfachsten Barockstil einbrachte, wurde das katholische Gotteshaus 1755 vollendet. St. Ingbert zählte zu dieser Zeit etwa 500 Seelen. Als die Kirche fertig gestellt war, wollte man sie nach dem Schutzheiligen des damaligen Dorfes "St. Ingobertus" benennen. Da sich der Heilige jedoch nicht im offiziellen Heiligenverzeichnis befand, entschied man sich wohl auf den Namen des Heiligen St. Engelbert, der darin aufgeführt ist und zu den Kurfürsten im hohen Mittelalter gehört hat. Dies stellt auch einen Bezug zu der Klananalogie von St. Ingbert her, das in Urkunden durch Vokalspiel von St. Engilbert, Angelbert, St. Ingelbrecht bis schließlich auf st. Ingbert benannt wurde.

 
 
  Das Kircheninnere  
 

St. Engelbert besteht in seinem Inneren aus einem breiten und hohen Saal, der in sanften Rundungen in die flache Empiredecke übergeht und durch eine Treppenstufe von dem gleich hohen und gleich breiten Altarraum getrennt ist. Den Westteil des Innenraumes nimmt über dem Haupteingang die Empore in voller Breite des Kirchenschiffes ein. Sie ruht auf sechs Säulen.

Die Orgel wurde 1874 von Gustav Schlimbach aus Speyer erbaut und besitzt 23 klingende Register. Sie zählt zu den am besten erhaltenen Werken dieses Meisters. Im Zuge der Kirchenrenovierung wurde 1992 das wertvolle romantische Instrument durch die Werkstätte Hugo Mayer, Heusweiler, renoviert.

Aus barocker Zeit stammen die Kirchenbänke, die Beichtstühle, die reichlich ausgestattete Kanzel und vor allem das Kreuz im Gewölbe der neubarocken Altaranlage von 1952. Die Kanzel ist ein barockes Prachtstück, das reichlich mit kunstvoller Schnitzarbeit versehen ist und eindrucksvoll die bewegten Gestalten der vier Evangelisten zeigt.

 

Der hohe Altaraufbau im Neubarock des 20. Jahrhunderts wurde nach Vorlagen von Barockaltären stilecht nachgestaltet. Seine auffallende Höhe bestimmen drei Säulen zu beiden Seiten. Sie erheben sich je auf drei festen und hohen Sockeln, haben zierliche Volutenkapitelle und tragen ein gegliedertes Gebälk, das Architrav, das nach hinten in ein Gewölbe übergeht. Dieses bildet die gesamte Innenwand des Altargebäudes. Das ziemlich massive Säulengebälk trägt Volutenranken in pflanzlich organischer Form. Sie wiederum umfassen die Krone und das Herz vor dem Gewölbehintergrund, das im 18. Jahrhundert Schwestern aus dem Elsass aus einer bedrohten Kirche mitbrachten und unter ihm die Pelikangruppe, ein Symbol der Selbstlosigkeit. Die Säulen an dem vielgliedrigen Altar stehen nicht nur in der Funktion der Stütze, sie geben auch für ein bewegtes Figurenspiel überraschende Nischen frei.

 
 

An den Seiten des Kreuzes finden wir Maria in der hingebenden Gebärde des tiefen Leids und Johannes mit aufwärts gerichtetem Gesicht und einer angedeuteten Geste des Zeigens. Hinter beiden, halb verdeckt, erscheinen Andreas und die heilige Barbara, die Patronin der Bergleute. Sie hält den Turm und den Kelch, die Attribute ihrer Heiligkeit, in der Hand.

In den Jahren 1996 bis 1998 konnten die weiteren vier barocken Figuren wieder beschafft, restauriert und in der Alten Kirche aufgestellt werden. Dies sind im Chorraum (rechts und links vom Hochaltar) der heilige Petrus und der heilige Paulus. Hinten rechts sitzend die heilige Anna und hinten links der heilige Antonius von Padua. Diese Holzfiguren stammen aus einer saarländischen Barockwerkstatt (um 1750). Die anderen Figuren (Maria und Josef, Wendelin und Franziskus) sind aus Terrakotta und stammen aus dem 19. Jahrhundert.

 
  Der Aufriss der Engelbertskirche  
 

Die Kirche besteht aus dem Langhaus mit je vier hohen und breiten rundbogigen Fenstern an beiden Längsmauern, die hell verglast sind, so dass Licht und Himmel in Fülle in das einschiffige Gotteshaus eindringen können und seine räumliche Größe voll und ganz zur Geltung bringen. Zur Intensivierung dieser Lichteinwirkung sind auch im Chor, der in voller Breite mit dem Langhaus ineinander übergeht, zu beiden Seiten noch je ein weiteres Fenster angebracht. Der Ortsteil der Kirche, das Chor, ähnelt in seiner Grundform in etwa einem Halbrund, ist aber

   

dadurch, dass es in fünf Bauabschnitte gegliedert ist, so etwas wie ein Quintogon. Ein ovales Fenster, das Auge Gottes, ein beliebtes barockes Motiv, befindet sich im mittleren Bauabschnitt, dem dritten des Chores, wo im Inneren der Kirche an der gleichen Stelle Krone und Herz in voller plastischer Form über dem Hochaltar technisch so geschickt auf Voluntgirlanden ruhen, dass sie unwillkürlich den Eindruck erwecken, sie würden "schweben".

 
  Die Fassade der Kirche  
 

Die Fassade der Kirche ist zwar einfach gehalten, aber dennoch beeindruckend. Der Turm besteht aus einem quadratischen Grundriss, einer polygonalen Zwiebel mit offener Laterne und einer welschen Haube mit einem Wetterkreuz. Dieses mächtige Gebilde ist dem Dach im Westteil als Dachreiter aufgesetzt. Seine Schallstube mit ihren gekuppelten Fenstern befindet sich im unteren Bauabschnitt, was eine angenehme Auflockerung der starken Masse dieses Baukörpers bewirkt. Der Turm von St. Engelbert ist sicher das älteste Wahrzeichen St. Ingberts und daher identitätsbildend für die Stadt, als sie noch ein Dorf war.

 

Die Westseite der Kirche beweist genauso wie Langhaus, Turm und Chor, die Stimmigkeit ihres Stils durch sparsame Dekors. sie ist eine große und weite Fläche, die im Dreieck innerhalb der beiden Dachschrägen zwei ovale Fenster besitzt und die weithin sichtbare, mit goldenen Lettern und Zeigern ausgestattete Uhr aufnimmt. Das dritte Fensteroval steht weit unterhalb der Uhr und nur ein wenig über dem Tympanon. Verbindet man die vier Scheitelpunkte von Fenstern und Uhr, so ergibt sich eine Raute, ein gar nicht so häufiges geometrisches Gebilde, das hier die Fassade gliedert und die ihrer Linienführung auf der weiten Fläche Feinheit aufweist. An beiden Seiten der Fassade sind schmückende Eckpilaster angebracht, die sich im rechten Winkel um Langhaus und Fassade legen. Das Portal der Engelbertskirche ist ihr besonders barockes Glanzstück. Es besteht aus der zweiteiligen Eingangspforte mit geschweifter Abrundung noch oben und aus einem Oberlicht, das zum Rundbogen wird. Die eigentliche Portalanlage besteht aus je zwei Pilastern mit pflanzlichen Kapitellen, die den Türsturz mit dem Baujahr 1755 und den vorspringenden gekröpften Sims als Grundlinie des Bogenfeldes über sich tragen. Dieses enthält die Kartusche mit reichlich barocken Girlanden, Tierfiguren und einer Herrscherkrone, die als Allianzwappen derer von der Leyen (links) und von Hatzfeld (rechts) umrahmen.

 
  Renovierung  
 

Im Jahre 1991 wurde die Kirche mit einem neuen Anstrich und einem neuen Fußboden versehen und das Holz des Altarraumes und der Beichtstühle marmorisiert. An den Barockkirchen des 17. Jahrhunderts bestand längstens nicht überall Materialechtheit, und die Marmorisierung in der Engelbertskirche bewirkt eine gewisse Auflichtung.

 
  Die Glocken  
 
 

Die Geschichte der Glocken von St. Engelbert kann heute nicht mehr lückenlos aufgehellt werden. Die ursprünglichen 3 Glocken sind längst nicht mehr vorhanden. Eine davon wurde 1759 im St. Ingberter Eisenwerk gegossen; 1775 wurde die dritte Glocke, in deren Mantel die Namen der Kinder des Reichsgrafen Franz Carl eingraviert waren, im Turm aufgehängt. Zu Beginn des Revolutionskrieges mussten zwei Glocken nach Saargemünd geliefert werden. Im Dezember 1811 wurde eine Kollekte zur Anschaffung von einer oder zwei Glocken durchgeführt. Durch die Opferbereitschaft kam Geld für zwei neue Glocken

zusammen, die wegen ihres nicht "gerade guten Klanges" 1867 einem neuen Geläut weichen musste. Am 4. August 1917 schlug für die beiden großen Glocken die Abschiedsstunde. Sie mussten zu Kriegsbedürfnissen abgeliefert werden. Am 17. April 1926 wurden drei neue Glocken der Pfarrei übergeben. Die zwei größten Glocken mussten jedoch bereits 16 Jahre später, am 16. Februar 1942, ebenfalls "ihren Weg zu dem Kriegsstofflager" antreten. Die heutigen drei Glocken, die zusammen mit 18 weiteren Glocken am 3. Oktober 1953 in St. Ingbert eintrafen, wurden auf die gleichen Namen wie ihre Vorgänger aus dem Jahre 1926 getauft: St. Engelbertus-Glocke ("gis", 275 kg), Muttergottes-Glocke ("h", 350 kg) und Michaelis-Glocke ("cis", 250 kg).

 
     
 

Seit dem Bau der Josefskirche, im Jahre 1893, wird die Engelbertskirche von den St. Ingbertern liebevoll "Alte Kirche" genannt.

 
 

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